Direkt zu:
Zum Aktivieren des Google-Übersetzers bitte klicken. Wir möchten darauf hinweisen, dass nach der Aktivierung Daten an Google übermittelt werden.
Mehr Informationen zum Datenschutz
Rathaus
24.05.2016

Jüdischer Glaube und jüdisches Leben im Spiegel jüdischer Witze

In einer kurzen Begrüßung stellte Bürgermeister Rainer Rauch den Gastredner Monsignore Prof. Dr. Konrad Schmidt vor, der in der ehemaligen Synagoge in Borgholz über den jüdischen Glauben und das jüdische Leben im Spiegel jüdischer Witze referierte.

Monsignore Prof. Dr. Schmidt hat Theologie und Philosophie in Paderborn und Münster studiert. In Bochum hatte er das Lehramtsstudium an Gymnasien mit den Fächern Religionslehre, Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaften aufgenommen. Von 1968 bis 1975 unterrichtete er an den Gymnasien in Wetter und Rüthen und übernahm anschließend die Abteilung der Religionspädagogik im Erzbischöflichen Generalvikariat in Paderborn. Der Berufung zum Leiter der Landvolkshochschule in Hardehausen folgte er 1992, die er bis zu seinem wohlverdienten Ruhestand im Jahre 2011 innehatte. Heute wohnt Monsignore Prof. Dr. Schmidt in Stockum - Sundern, in der Nähe von Arnsberg.

Viele Veranstaltungen hat Monsignore Prof. Dr. Schmidt in den vergangenen Jahren in der ehemaligen Synagoge begleitet, der er sich schon seit Beginn der Eröffnung im Jahre 1999 stark verbunden fühlte - dafür ein herzlicher Dank der Orgelstadt, so Bürgermeister Rauch.

Rauch zitierte aus einem vor einigen Jahren aufgenommen Interview, wonach Schmidts Rat für die Zukunft lautete: „Wichtig bleibt es, sich auszutauschen, Beziehungsnetze zu pflegen und zu lernen, wie man lernt und sich auf neue Situationen einstellt“. Für die Zukunft wünscht er sich gegenseitige Wertschätzung unter den Menschen, Gelassenheit und Lebensfreude. In der heutigen Zeit ein Wunsch, der immer mehr an Gewichtung gewinnt.

Monsignore Schmidt betonte in seinen Ausführungen noch einmal, dass er immer wieder gern nach Borgholz in die ehemalige Synagoge kommt. Die Restaurierung der Synagoge lag ihm immer sehr am Herzen, zumal mit dieser weiteren Nutzung des Gebäudes, das Leben und die Lebensweise der Juden und dadurch auch die eingängige Meinung über die Juden doch in ein anderes Licht gerückt werden. Mit dem Judentum wird immer wieder die Finanzwelt und die Einflussnahme in den Vordergrund gerückt. Dieses Bild der Juden hält sich noch bis in die heutige Zeit - dem ist nicht so. Bei der Borgholzer Synagoge handelt es sich um eine einfache Landsynagoge – wie haben die Menschen in den Jahrhunderten gelebt – von was haben sie gelebt? Diese Frage muss sich der Betrachter immer wieder stellen. Wie war es um die Finanzen bestellt? Schmidt erinnerte an die Hausfrau und Mutter, die den Haushalt mit bescheidenen Mitteln führen musste. Hatte man sich Geld beim Juden geliehen, musste dieses auch wieder zurückgezahlt werden. Die Mutter seufzte – sie waren arm – daran erinnert auch die Judenbuche. Das Bild des hier lebenden jüdischen Menschen, der integriert war und sich einfügte, auch dafür steht noch heute die ehemalige Synagoge in Borgholz. Der ehemalige Betsaal mit seinen Kultuseinrichtungen, wie die Thora, der aufgemalte Vorhang oder die Befestigungen der Kronleuchter sind immer noch gut erkennbar und machen den Wert der ehemaligen Synagoge auch noch heute aus.

Er fragte sich, wie gehen wir heute mit dem Judentum um, wenn wir über den jüdischen Witz sprechen. So muss man sich auch die Frage gefallen lassen – befindet sich der jüdische Witz in der Krise?
Der Witz war und ist die Waffe des Geistes – vielfach stand keine andere Waffe zur Verfügung. So stellt Schmidt sich auch die Frage – gibt es heute noch ein gelebtes Judentum?

Monsignore Schmidt stellte die Frage in den Raum „wenn von Humor die Rede ist, darf man dann überhaupt lachen?“ Er beantwortet die Frage wie folgt. „Im Buch „Der Name der Rose“ war das Lachen etwas Verwerfliches. Niemand durfte die Bibliothek betreten – um dort zu lesen, um dort zu lachen. So sagte man früher schon „Um Himmels Willen – bloß nicht lachen“. Wer lacht, macht sich verdächtig, wer lacht, macht etwas kaputt.

Ein hoher Rabbiner kommt in den Vatikan zu Besuch beim Papst. Am Ende des Besuchs sagt er, dass er mit Gott sprechen will und ein Telefon brauche. Der Papst lässt ihn telefonieren.
Der Rabbi redet etwa 10 Minuten und fragt dann was er für das Gespräch bezahlen soll.
2000 Euro, sagt der Papst. (Dieses wichtige Gespräch war dieses Wert.)
Im nächsten Jahr ist der Papst beim Hohen Rabbinat in Jerusalem zu Besuch und auch er will mit Gott telefonieren.
Nach einem 1-stündigen Gespräch fragt der Papst den Rabbi, wieviel er denn bezahlen muss.
Der Rabbiner verlangt nichts. Der Papst wundert sich und fragt, warum denn die Gebühr so niedrig sei.
Da erklärt der Rabbi ihm: "Ortsgespräch".

Ein alter Jude läuft schwerbepackt über einen Bahnhof in einer Kleinstadt und fragt nach längerem Zögern einen seiner Mitreisenden: "Was halten Sie eigentlich von Juden?" Darauf erwidert der Mann: " Ich bin ein großer Bewunderer des jüdischen Volkes." Der alte Jude geht weiter und fragt den nächsten dieselbe Frage. Dieser erwidert: "Ich bin fasziniert von den Leistungen jüdischer Mitmenschen in der Kultur und der Wissenschaft." Der Jude bedankt besonders sich für diese Antwort und geht zu einem weiteren Mann. Dieser erwidert auf die Frage: "Ich mag Juden nicht und bin froh, wenn ich nichts mit ihnen zu tun habe." Darauf der alte Jude: "Sie sind ein ehrlicher Mann, könnten Sie bitte mal auf mein Gepäck aufpassen, Ich muss in die Toilette..."

Ein Jude kommt zum Metzger und zeigt geradewegs auf einen Schinken und sagt: "Ich hätte gern diesen Fisch dort."  "Aber das ist doch ein Schinken" "Mich interessiert nicht, wie der Fisch heißt"

Ein Jude kommt in ein Delikatessengeschäft und fragt: Wieviel kostet der Schinken? Draußen zieht ein Gewitter auf, und im gleichen Augenblick gib es einen mächtigen Donnerschlag. Der Jude erhebt beschwichtigend seine Augen zum Himmel und sagt: Na, fragen wird man doch noch dürfen!?

Wenn wir einem bedrückten Menschen begegnen, wollen und müssen wir alles dafür tun, dass er lacht, sich freut, und es geht ihm sofort wieder besser.

"Euer Gott ist ein Dieb", sprach der Kaiser zu Rabbi Gamaliel. "Er raubte Adam eine Rippe." Der Rabbi ging betrübt nach Hause. "Lass mich zu ihm gehen", sprach seine Tochter. "Ich will ihm antworten." "Gebt mir einen Offizier!" sprach das Mädchen zum Kaiser. "Heute Nacht wurde bei uns eingebrochen. Man stahl uns einen silbernen Krug und stellte dafür einen goldenen ab." Der Kaiser lachte: "Solche Diebe lobe ich mir. Sie dürften jede Nacht zu mir kommen." Die Augen des Mädchens blitzen: "Seht Imperator, so ein Dieb ist unser Gott:  Er stahl Adam eine Rippe und schenkte ihm dafür ein Geschöpf, das ihn liebt und erfreut."

Monsignore Schmidt machte noch einmal deutlich, dass jüdische Witze bildhafte Geschichten sind, die den Glauben sowie grundlegende Tatsachen darstellen, die aber auch zugleich eine Lebenshilfe sind und waren.

Ein jüdischer Witz ist niemals Witz um des Witzes willen, immer enthält er eine religiöse, politische, soziale oder philosophische Kritik. Er ist faszinierend, denn er ist Volks- und Bildungswitz zugleich, jedem verständlich und doch voll tiefer Weisheit. Durch Jahrhunderte war der Witz die einzige und unentbehrliche Waffe des sonst waffen- und wehrlosen Volkes. Es gab - besonders in der Neuzeit - Situationen, die von den Juden seelisch und geistig überhaupt nur mit Hilfe ihres Witzes bewältigt werden konnten. So lässt sich behaupten: Der Witz der Juden ist identisch mit ihrem Mut, trotz allem weiterzuleben.

Bürgermeister Rainer Rauch dankte Monsignore Prof. Dr. Konrad Schmidt für einen kurzweiligen und doch sehr unterhaltsamen Abend in der ehemaligen Synagoge in Borgholz – aber auch mit der Bitte verbunden, dass dieses nicht der letzte Abend war.